Chansonabend "Songs of Exile"

Mit der Gesangskünstlerin Sophia Brickwell und dem Pianisten Klaus Hügl aus Tübingen.

Post tagged under
Escape & Expulsion

Ein bewegender Chansonabend am 29. März 2026 mit Sophia Brickwell (Gesang) und Klaus Hügl (Klavier) begeisterten über 70 Gäste in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen mit einer musikalischen Zeitreise.

Über 70 Gäste fanden sich in der Ehemaligen Synagoge ein, um einen Chansonabend über die deutsch-jüdische Musikszene in der amerikanischen Emigration zu erleben. Die Vorsitzende Andrea Dettling begrüßte die Anwesenden herzlich im Namen des Synagogenvereins: "Dass wir heute hier zusammenkommen können, ist nicht selbstverständlich. Dieser Ort steht für ein jüdisches Leben, das einst selbstverständlich zu Rexingen gehörte – und das 1933 gewaltsam zerstört wurde. Wenn wir heute Musik hören, die im Exil entstanden ist, dann ist das für uns hier nicht nur ein kulturelles Thema, sondern auch ein sehr konkretes Stück Ortsgeschichte.

Denn auch aus Rexingen sahen sich über 250 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger nach 1933 gezwungen, ihre Heimat verlassen. Sie gingen nach Amerika, nach Israel, nach England, nach Frankreich, in die Schweiz. Sie nahmen ihr Leben mit – so gut es ging. Aber vieles mussten sie zurücklassen. Diese Erfahrung verbindet sie mit den Komponisten dieses Abends.

Kurt Weill, Werner Richard Heymann, Friedrich Hollaender und Hanns Eisler waren in den 1920er-Jahren prägende Figuren einer lebendigen, offenen Kulturszene in Berlin. Und dann kam 1933. Innerhalb kürzester Zeit wurden sie aus dem öffentlichen Leben gedrängt, verloren ihre Arbeit, ihre Sicherheit – und schließlich ihre Heimat. Und doch: Sie haben weiter Musik gemacht. Vielleicht ist genau das das Beeindruckendste: dass diese Musik nicht verstummt ist. Dass sie Wege gefunden hat – über Paris, über Hollywood, bis nach New York.

Ein besonderer Anlass dieses Abends ist der 130. Geburtstag von Werner Richard Heymann in diesem Jahr. Viele seiner Lieder sind uns bis heute vertraut – auch wenn sein Name oft nicht mehr so präsent ist. Der heutige Abend bringt diese Musik wieder zusammen: bekannte Melodien und selten gespielte Stücke, leichte und ernste, humorvolle und nachdenkliche.

Ein ganz besonderer Aspekt dieses Abends ist auch das Instrument, das heute erklingen wird. Ich freue mich sehr, dass der historische Flügel, der dem Synagogenverein von Silvia Staudacher gestiftet wurde, heute wieder zum Klingen erweckt wird.
Ein Instrument, das selbst Geschichte in sich trägt, wird damit zum Träger dieser Musik – und verbindet auf ganz unmittelbare Weise Vergangenheit und Gegenwart. Und er wird gestaltet von zwei Künstlern, die genau diese Spannweite hörbar machen:

Sophia Brickwell – mit einer Stimme, die zwischen Oper und Chanson wechselt, und Klaus Hügl – der diese Musik am Klavier nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet. Zwischen den Liedern wird Sophia Brickwell Texte sprechen, die uns durch diesen Abend führen. Sie erzählen von Aufbruch und Erfolg, von Bedrohung und Flucht, und von dem Versuch, in der Fremde ein neues Leben zu beginnen. Für uns hier in der Synagoge bekommen diese Geschichten eine besondere Nähe. Ich lade Sie ein, zuzuhören – den Liedern, den Texten und vielleicht auch den leisen Zwischentönen. Und ich freue mich sehr, dass wir diesen Abend hier gemeinsam erleben können.".

Plakat zur Veranstaltung am 29. März 2026 "Songs of Exile"
Plakat zur Veranstaltung am 29. März 2026 "Songs of Exile"

Programm:

 Kurt Weill/Bert Brecht:

 1. Prolog aus „Die sieben Todsünden“

Werner Richard Heymann/Walter Mehring:

 2. Die kleine Stadt

Werner Richard Heymann/Robert Gilbert:

3. Das gibts nur einmal

4. Mir ist so ich weiß nicht wie

5. Wenn der Wind weht

Kurt Weill/Bert Brecht:

6. Bills Ballhaus

Hanns Eisler/Bert Brecht:

7.Das Vielleicht Lied

Friedrich Hollaender:

8. Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt

Georges Bizet/ Friedrich Hollaender:

9. Habanera

Hanns Eisler/Bert Brecht:

10.An den kleinen Radioapparat

Friedrich Hollaender/Frank Loesser:

11. Boys in the Backroom

Werner Richard Heymann/Arthur Wimperis:

12. Tzinga doodle day

Hanns Eisler/Bert Brecht (Fünf Hollywood Elegien):

13. Unter den grünen Pfefferbäumen

14. Die Stadt ist nach den Engeln benannt

15. Jeden Morgen

16. Diese Stadt

17. In den Hügeln

Kurt Weill/Ira Gershwin:

14.Saga of Jenny

15. My Ship

Kurt Weill/Ogden Nash:

16. I´m a Stranger Here Myself

Friedrich Hollaender:

18. Black Market

19. Illusions

20. In the Ruins of Berlin

Kurt Weill/Langston Hughes:

21. What Good would the Moon Be?

Kurt Weill/Maxwell Anderson:

22. Lost in the Stars