Buchvorstellung Jüdisches Leben in Schwaben

Kultur und Geschichte in der Frühen Neuzeit. Benigna Schönhagen, Linda Huber (Hg.) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Jüdisches Schwaben, Wissenschaft und Praxis, 257 S., Hentrich & Hentrich Verlag Berlin, 2025.

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Wie vielfältig war jüdisches Leben in Schwaben in der Frühen Neuzeit? Der Sammelband „Jüdisches Leben in Schwaben“ beleuchtet historische Entwicklungen und stellt zugleich Orte und Initiativen vor, die heute an diese Geschichte erinnern und sie vermitteln.

Der Band „Jüdisches Leben in Schwaben. Kultur und Geschichte in der Frühen Neuzeit“ versammelt die Beiträge einer gleichnamigen Tagung, die im Juli 2021 in Weingarten stattfand.

Die Autoren dieses Buches geben in einem ersten Teil Einblicke in verschiedene kulturelle, politische und soziale Aspekte des dortigen jüdischen Lebens und in einem zweiten Teil stellen sie uns Gedenkstätten, Museen und andere Initiativen vor, die sich mit der Geschichte der Juden in Schwaben auseinandersetzen.  

So schildert z.B. Stefan Lang in seinem Beitrag „Jüdisches Leben und Judenpolitik im frühneuzeitlichen Schwaben – ein Überblick“ wie die Vertreibung der Juden aus den Städten des Reichs und des Herzogtums Württemberg im 15. und frühen 16. Jahrhundert zur Bildung des Landjudentums führte, und sich die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung – mit Ausnahme einzelner Hofjuden – in den Dörfern und kleineren Städten in der Region wiederfand.

Die Entwicklung dieser Ansiedlungen auf dem Land erforschte die Autorin Sabine Ullmann exemplarisch am Beispiel der Markgrafschaft Burgau.

Nathanja Hüttenmeister berichtet im Kapitel "Jüdische Friedhöfe in Schwaben" uns von den etwa 100 jüdischen Friedhöfen, die sich bis heute in Schwaben erhalten haben, von ihren Grabmalen, die Entwicklung ihrer Gestaltung und die Bedeutung der auf ihnen angebrachten Symbole, von Bestattungsriten, aber auch von der Dokumentation dieser Gräber und die Bedeutung der Friedhöfe als Zeugnisse für die Geschichte des jüdischen Lebens der jeweiligen Orte.

Im Kapitel "Jüdisches Leben und Verfolgungsgeschihthe in der Darstellung schwäbischer Gedenkstätten: Rückblick, Stand und Perspektiven" beschäftigte sich Nicola Wenge. In ihrem Aufsatz formuliert sie u.a. sieben Thesen, die die Frage nach der Darstellung der jüdischen Geschichte aufgreift und wie dieses historische Wissen nachhaltig vermittelt und Reflexions- und Handlungsräume mit einem Bezug zu unserer Gegenwart eröffnet werden können.

Im zweiten Teil des Bandes nehmen uns die Autoren mit zu Gedenkstätten und Museen in Baisingen, Braunsbach, Buchau, Gailingen, Göppingen-Jebenhausen, Hechingen und Laupheim und stellen uns den Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb e.V. vor. In diesem Verbund haben sich mehrere KZ-Gedenkstätten und Vereine, die sich um den Erhalt ehemaliger Synagogen und weiterer Erinnerungsorte kümmern, zu einem Dachverband zusammengeschlossen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Publikationen zu veröffentlichen und Veranstaltungen zu organisieren.

Eine besondere Initiative stellt Andrea Dettling in ihrem Beitrag „Genealogische Datenbank Jüdische Familien im Südwesten“ vor. In dieser Datenbank werden neben Dokumenten, Fotos und Quellen vor allem Personendaten von jüdischen Familien aus dem Südwesten erfasst und sie soll den vor allem jüdischen Familien in aller Welt helfen, ihre Wurzeln zu rekonstruieren und die Suche nach Verwandten zu erleichtern. Auch Forschern und anderen Gedenkstätten dient dieses Vernetzungsportal als Quelle und auch als Sicherung ihrer Forschungsergebnisse für kommende Generationen.

Der Band bietet damit nicht nur für Fachleute einen gelungenen Einblick in die vielfältigen Aspekte des jüdischen Lebens in Schwaben in der Frühen Neuzeit. Den Autoren gelingt es auch, die Leserinnen und Leser dazu einzuladen, die vorgestellten Orte zu besuchen und sich mit dieser erst spät von der Forschung beachteten Geschichte des jüdischen Lebens auf dem Land zu beschäftigen.

Das Buch kann in der Arnold und Friederike Isenberg Bibliothek eingesehen und ausgeliehen werden.