#WeRemember - auch hier in Horb erinnern wir uns

Wenn die Zeit der Zeitzeugen langsam zu Ende geht, leben wir heute in der Zeit der Zweitzeugen.

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Mitglieder des Vorstands und Beirats des Synagogenvereins setzen ein Zeichen: WeRemember - Holocaust Gedenktag

Mitglieder des Vorstands und Beirats des Synagogenvereins setzen ein Zeichen (Bild v.l.n.r.):
Michael Keßler, Andrea Dettling, Barbara Falkenstein, Andrea Galler, Gabriel Stängle, Birgit Sayer

Bis auf den letzten Stuhl waren alle Plätze besetzt, als der Synagogenverein am vergangenen Sonntag zu seiner Gedenkveranstaltung in die ehemalige Synagoge in Rexingen einlud. Als Gast erzählte die die Gesangspädagogin Ruth Frenz aus Konstanz ihre Familiengeschichte und die ihrer durch die Nationalsozialisten ermordeten Familienmitglieder. Auch der Oberbürgermeister von Freudenstadt, Adrian Sonder, der Oberbürgermeister von Horb Michael Keßler und die Ortschaftsrätin Martina Franz von Rexingen setzten mit ihrer Teilnahme ein Zeichen, dass sie die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus in unserer Region unterstützen.

Rexingen ist ein Ort, der untrennbar mit der Geschichte jüdischen Lebens – aber auch mit der Geschichte von Verfolgung und Vernichtung – verbunden ist. Über 120 Menschen wurden von Rexingen aus deportiert und ermordet. Nur drei überlebten. Diese Zahlen stehen für zerstörte Leben, für Familien, die ausgelöscht wurden, und für eine Leerstelle, die bis heute spürbar ist. Bis heute wurden im Stadtgebiet Horb erst 68 Stolpersteine verlegt, 32 davon in Rexingen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass diese Menschen Namen hatten, Gesichter, Familien. Dass ihre Geschichten nicht vergessen werden. Der Rexinger Synagogenverein setzt sich dafür ein, gerade auch im Kontakt mit Nachkommen die Erinnerung an die jüdischen Familien aus Horb wach zu halten, die Lebensgeschichten zu dokumentieren und auch weitere Stolpersteine zu ermöglichen.

In diesen Tagen wird nicht nur hier in Rexingen erinnert. Weltweit gedenken Nachkommen und Angehörige der Deportierten ihrer Familien – oft weit entfernt, aber innerlich eng verbunden mit diesem Ort. Stellvertretend sei hier eine Nachricht erwähnt, die den Verein von Liliana Löwenstein aus Argentinien erreicht hat. Sie schickte eine Collage von der Stolpersteinverlegung am 29. April 2023, an der sie in Rexingen teilgenommen hatte mit dem Hashtag #WeRemember – wir erinnern.  Das Foto zeigt die Stolpersteine der ermordeten Frauen Auguste und Juditha Löwenstein sowie Gertrud Pollak geb. Löwenstein zusammen mit dem Bild des Besuchs in Rexingen gemeinsam mit anderen Nachkommen und Vereinsmitgliedern.

Stolpersteine in Rexingen
Stolpersteine in Rexingen, Liliana Löwenstein mit Nachkommen der Löwenstein-Familie und Vereinsmitglieder im April 2023

Sie grüßte den Verein herzlich und spürte mit der Referentin der Sonntagsveranstaltung Frau Ruth Frenk aus Konstanz persönlich eine doppelte Verbindung, da der hier in Rexingen geborener Großvater Heinrich Löwenstein auch in Konstanz gelebt hatte, bevor er sich mit seiner Familie durch die Auswanderung nach Argentinien retten konnte. Dieses Bild macht deutlich, worum es heute geht: um Erinnerung, die über Generationen hinweg weiterwirkt – und die mit der Vereinsarbeit fortgeführt werden soll.

Oberbürgermeister Michael Keßler, Ortschaftsrätin Martina Franz, Referentin Ruth Frenk, Vorsitzende Andrea Dettling
Oberbürgermeister Michael Keßler, Ortschaftsrätin Martina Franz, Vorsitzende Andrea Dettling danken der Referentin Ruth Frenk (2. v. r.)

Wenn die Zeit der Zeitzeugen langsam zu Ende geht, leben wir heute in der Zeit der Zweitzeugen. Es sind die Kinder der Überlebenden, die mit den Geschichten von Krieg, Verfolgung, Flucht und Verlust aufgewachsen sind – und durch sie geprägt wurden. Sie tragen diese Erinnerungen weiter und geben ihnen eine Stimme.