Buchvorstellung Zeit der Heldinnen

Buchtipp zum Weltfrauentag am 8.3.: Vergessene Frauen, neu entdeckt

Kennen Sie Dahyia Cahena, Gracia Nasi oder Hannah Werbermacher? Nein? Dann sollten Sie einen Blick in das schmale Büchlein der Schriftstellerin Gerda Hoffer werfen. In ihrem Buch „Zeit der Heldinnen“ stellt uns Hoffer elf außergewöhnliche jüdische Frauen vor, die in unterschiedlichen Zeiten und Ländern gelebt haben und aus allen gesellschaftlichen Schichten stammten. Das besondere an diesen Frauen war, dass die meisten Namen von ihnen den Leserinnen und Lesern zwar unbekannt sein dürften, aber diese Frauen gehörten mit zu den ersten, die Tätigkeiten und Berufe ausübten, die bislang eher Männern vorbehalten waren.

Gracia Mendes Nasi, brilliante Unternehmerin in Portugal und im Osmanischen Reich

Neben der Heerführerin und Prophetin Dahyia Cahena, die im 7. Jahrhundert nach dem Tod ihres Vaters die Führung einer der damals größten jüdischen Berberstämme in Nordafrika übernahm, beeindruckt auch die Lebensgeschichte der Gracia Nasi. Als Kind in eine wohlhabende marranische Familie im Portugal des 16. Jahrhunderts hineingeboren, trat sie nach dem frühen Tod ihres Mannes ihr Erbe als Verwalterin seines Besitzes an und entwickelte sich zu einer bedeutenden Persönlichkeit, der es gelang, ein weitverzweigtes Finanz- und Handelsunternehmen aufzubauen, um schließlich im Auftrag des türkischen Sultans Suleiman I. mit Hilfe ihrer Handelsschiffe neue Märkte für ihn zu erschließen.

Hannah Werbermacher, ein osteuropäisches "Schtetl" - eine jüdische Siedlung

Auch das Leben der Hannah Werbermacher entsprach in keinster Weise den Erwartungen, die man im beginnenden 19. Jahrhundert an die Tochter eines Rabbiners stellte. Werbermacher wuchs im ukrainischen Schtetl Ludomir auf, in einer Welt, die vom Chassidismus geprägt war und in der sie als Wunderrabbi wegen ihrer klugen Ratschläge und Predigten berühmt wurde.

Alle diese Frauen stehen beispielhaft für das Schicksal vieler anderer Frauen, die auf die eine oder andere Weise zwar ihre Umwelt beeinflussten und mitgestalteten, jedoch wenn überhaupt nur als Randnotizen in den Geschichtsbüchern auftauchten.

Gerda Hoffers Verdienst ist es, diese Frauen und ihr Wirken vor dem Vergessen zu bewahren und daran zu erinnern, dass es auch Frauen immer wieder gelang, sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten und als Königin, Ärztin, Ministerin, Rabbinerin, Münzmeisterin oder Soldatin beruflich erfolgreich zu sein, in einer Zeit, in der es alles andere als normal war, als Frau diese Tätigkeiten auszuüben.

 Gerda Hoffer, Zeit der Heldinnen. Lebensbilder außergewöhnlicher jüdischer Frauen, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1999. Das Buch ist ausleihbar in der Arnold und Friederike Isenberg Bibliothek.

Einladung in die Isenberg Bibliothek