Buchvorstellung Kleines Lexikon deutscher Wörter jidischer Herkunft
Buchtipp unserer Bibliothekarin Bea Zucker
Der Linguist Hans Peter Althaus gibt in seinem „Kleinen Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ spannende Einblicke in die Entwicklung des Jiddischen – und zeigt, wie viele Wörter wir heute noch ganz selbstverständlich nutzen, ohne ihre Herkunft zu kennen.
Wusstet Ihr, dass viele deutsche Wörter aus dem Jiddischen stammen? Begriffe wie „mies“, „dufte“, „Ganove“ oder „Schlamassel“ haben ihren Ursprung dort. Jidisch ist eine faszinierende Mischung aus Deutsch, Hebräisch und slawischen Einflüssen? Heute sprechen noch rund 500.000 Menschen weltweit diese besondere Sprache.
Jiddisch auch in Horb? Ja! In Rexingen – einst „Siggesmauchem“ (Laubhüttendorf) genannt – wurde eine ganz eigene Sprachkultur gelebt. Viehhändler nutzten den besonderen Jargon „Lekoudesch“, eine Mischung aus Deutsch, Hebräisch, Jiddisch und Rotwelsch. Abgeleitet von „leschon kodesch“ (heilige Sprache) floss dieser sogar ins Schwäbische ein – und wurde nicht nur von Juden, sondern auch von christlichen Rexingern als „Geheimsprache“ genutzt.
Buchempfehlung: Hans Peter Althaus, Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft, Verlag C. H. Beck, München 2003, 215 Seiten.
Der Linguist Hans Peter Althaus gibt in seinem „Kleinen Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ spannende Einblicke in die Entwicklung des Jiddischen – und zeigt, wie viele Wörter wir heute noch ganz selbstverständlich nutzen, ohne ihre Herkunft zu kennen. Der Sprachwissenschaftler und inzwischen emeritierte Professor für germanistische Linguistik an der Universität Trier Hans Peter Althaus gilt als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Jiddistik.
In seinem bereits mehrfach aufgelegten Buch „Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft“ beschreibt er in einer kurzen Einführung die Entwicklung der jiddischen Sprache und listet über 1000 Wörter auf, die bis ins 20. Jahrhundert hinein auch von vielen Nichtjuden verwendet wurden. So treffen wir auf Begriffe wie „mies“, „dufte“ und „kess“, oder „Ganove“, „Schmuser“ und „Schlamassel“. Andere Wörter wiederum erfahren in unserer heutigen Zeit eine Art Renaissance, und kaum jemand weiß, dass „Zocken“ eigentlich aus der jiddischen Sprache stammt.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprachen etwa 11 Millionen Menschen, hauptsächlich in Osteuropa und den USA, Jiddisch. Das Jiddische wird heute nicht als bloßer Dialekt gesehen, sondern als eigenständige Sprache, die sich zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert im Südwesten von Deutschland entwickelte. Dabei bildete das mittelalterliche Deutsch die Grundlage, die sich mit hebräischen Wörtern und romanischen Sprachresten vermischte. Als ein großer Teil der europäischen Juden vor allem in der frühen Neuzeit nach Osteuropa auswanderte oder flüchten musste, breitete sich das Jiddische dort aus und nahm neue Elemente aus den slawischen Sprachen auf. Während sich der ostjiddische Dialekt zur Alltagssprache ausformte, gaben die Juden im deutschsprachigen Raum zugunsten des Deutschen ihren westjiddischen Dialekt seit der Mitte des 18. Jahrhunderts in großen Teilen auf. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderten wiederum Millionen von osteuropäischen Juden nach Amerika oder nach Westeuropa aus, so dass zum Beispiel in Berlin unter anderem der ostjiddische Dialekt gesprochen wurde. Mit der Ermordung der Juden in Europa während der Zeit des Nationalsozialismus verschwand dort auch die jiddische Sprache. Heute leben weltweit schätzungsweise eine halbe Million Menschen, die noch oder wieder Jiddisch sprechen.
Hans Peter Althaus beschreibt in seinem Buch neben der Entwicklung und Verbreitung des Jiddischen auch den gegenseitigen Einfluss dieser Sprache unter anderem auf das Rotwelsche und Jenische oder auf verschiedene deutsche Mundarten. Außerdem erläutert er auch die Bedeutung von jiddischen Begriffen und Ausdrücken, die zum Beispiel unter Pferdehändlern, Metzgern und Viehhändlern verwendet wurden, aber auch im Börsenhandel und in anderen Berufszweigen.
Ein ausführliches Literaturverzeichnis zu Beginn des Buches gibt allen Interessierten die Möglichkeit, sich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen.
Dieses Lexikon und noch andere Bücher, die sich mit der jiddischen Sprache beschäftigen, finden Sie in der Arnold und Friederike Isenberg Bibliothek in Rexingen.