Neckarstraße 5
Rosalie Dampf geboren Ettlinger- Letzte Jahre zwischen Vertreibung und Deportation
- Introduction (station)
- Rosalie Dampf, geborene Ettlinger, führte gemeinsam mit ihrem Ehemann Emil Dampf eine koschere Metzgerei in Horb am Neckar. Über Jahrzehnte gehörte die Familie zum jüdischen Leben der Stadt. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Rosalie aus Horb vertrieben, nach Rexingen umgesiedelt und schließlich über Theresienstadt nach Treblinka deportiert. Dort wurde sie 1942 ermordet.
- Location
-
Neckarstraße 5
72160 Horb (Kernstadt)
Find route - Timeframe
- 1869–1942
- Reason
- Leben, Vertreibung und Ermordung von Rosalie Dampf
Historischer Hintergrund
Rosalie Ettlinger wurde am 24. August 1869 in Bretten geboren. 1894 heiratete sie den Metzger Emil Dampf aus Nordstetten. Gemeinsam zogen sie nach Horb am Neckar. Dort betrieben sie eine koschere Metzgerei in der Neckarstraße. Das Geschäft versorgte jüdische Kundinnen und Kunden mit Lebensmitteln nach den religiösen Speisevorschriften. Es war damit nicht nur die Arbeit des Ehepaars, sondern auch ein Teil des jüdischen Alltags in Horb. 1896 wurde ihre Tochter Frieda geboren.
Die Metzgerei blieb über viele Jahre mit der Familie Dampf verbunden. 1928 verpachtete Emil das Geschäft an den jüdischen Metzger Leopold Liebmann. Nach dessen Wegzug wurde das Gebäude umgebaut und an einen anderen Metzger verpachtet. 1938 verkaufte die Familie Dampf es.
Auch innerhalb der Familie veränderte die nationalsozialistische Verfolgung die Lebenswege. Rosalies Tochter Frieda und deren Ehemann Hermann Gideon flohen 1939 in die Vereinigten Staaten. Am 18. Januar 1941 starb Emil Dampf. Rosalie war nun verwitwet und ihre Tochter lebte im Ausland.
Am 25. Juni 1941 musste Rosalie Horb verlassen und nach Rexingen ziehen. Für die damals 71-Jährige bedeutete das den Verlust ihres langjährigen Wohnorts. Wie sie selbst diesen Abschied erlebte, ist in den vorliegenden Unterlagen nicht überliefert. Fest steht, dass sie die Stadt verlassen musste, in der sie mit Emil gelebt, ihre Tochter großgezogen und viele Jahre gearbeitet hatte.
Der Umzug nach Rexingen war nicht das Ende ihrer Verfolgung. 1942 wurde Rosalie Dampf nach Theresienstadt deportiert. Von dort verschleppten die Nationalsozialisten sie am 26. September 1942 nach Treblinka, wo sie ermordet wurde. Sie war 73 Jahre alt
An der Neckarstraße lässt sich Rosalie Dampfs Geschichte von ihrem früheren Alltag aus erzählen. Die Metzgerei steht für ihr Leben als Horberin und für die jüdische Gemeinde der Stadt. Der erzwungene Wegzug zeigt, wie die Verfolgung sie auch im Alter noch aus diesem vertrauten Umfeld riss. Die Deportation beendete ihr Leben gewaltsam.
Im Rundgang folgt diese Station auf die Geschichte von Maria Leins in der Hirschgasse. Sie führt zugleich zur nächsten Station an der Neckarstraße 45, an der Ruth und Heinz Simon Wälder im Mittelpunkt stehen. Beide Stationen handeln vom Verlust eines Zuhauses; hier geht es um eine ältere Frau, dort um Kinder und Jugendliche.
Rosalie Dampf verlor im Alter ihren langjährigen Wohnort in Horb. Nur wenige Häuser weiter erzählt die nächste Station von Ruth und Heinz Simon Wälder. Sie mussten Horb bereits als Kinder verlassen.