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Neckarstraße 45

Verlorene Kindheit – Ruth und Heinz Simon Wälder

Introduction (station)
Die Station „Verlorene Kindheit“ erzählt die Geschichte der Geschwister Ruth (1922–1943) und Heinz Simon Wälder (1925–1943). Sie lebten mit ihrer jüdischen Familie in der Neckarstraße 45 in Horb, flohen 1933 nach Frankreich und wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Verfolgung und Flucht ihre Kindheit und Jugend prägten.
Location

Neckarstraße 45
71522 Backnang
Find route

Duration (stay)
approx. 5 Minutes
Timeframe
1894–1943
Reason
Verlorene Kindheit

Verlorene Kindheit

Fanny Ruth und Heinz Simon Wälder verbrachten ihre frühen Kinderjahre in Horb am Neckar. Die Familie wohnte in der Neckarstraße 45, direkt am Kanal. Ruth wurde am 26. Dezember 1922 geboren. Ihre Mutter Regine starb wenige Wochen später. 1924 heiratete ihr Vater Viktor Wälder erneut. Mit seiner zweiten Frau Fanny bekam er 1925 den Sohn Heinz Simon. Fanny kümmerte sich auch um Ruth. 

Ruth besuchte in Horb die Schule. Ein Klassenfoto aus dem Jahr 1929 zeigt sie mit anderen Kindern vor der Liebfrauenkirche. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Horb noch zu ihrem vertrauten Alltag: Hier war ihr Zuhause, hier ging sie zur Schule. Für Heinz Simon waren es die ersten Jahre seines Lebens.

Historische Schwarz-Weiß-Gruppenfotografie einer Schulklasse mit zahlreichen Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters. Die Kinder sitzen und stehen in mehreren Reihen vor einer Steinmauer. Links steht eine erwachsene Frau, vermutlich die Lehrerin.
Horber Schulklasse des Jahrgangs 1922/23 mit Lehrerin Fräulein Spieß vor der Liebfrauenkirche. Aufnahme von 1929. In der Mitte des Bildes stehen nebeneinander – von links – Ruth Wälder und Liesel Bareis
Historische Schwarz-Weiß-Gruppenfotografie einer Schulklasse mit zahlreichen Jungen und Mädchen unterschiedlichen Alters. Die Kinder sitzen und stehen in mehreren Reihen vor einer Steinmauer. Links steht eine erwachsene Frau, vermutlich die Lehrerin.
Horber Schulklasse des Jahrgangs 1922/23 mit Lehrerin Fräulein Spieß vor der Liebfrauenkirche. Aufnahme von 1929. In der Mitte des Bildes stehen nebeneinander – von links – Ruth Wälder und Liesel Bareis.

Im Frühjahr 1933 änderte sich das Leben der Familie. Viktor Wälder war Jude und politisch aktiv; er befürchtete nach der nationalsozialistischen Machtübernahme seine Verhaftung. Die Familie verließ Horb überstürzt und floh ins Elsass. Ruth war damals zehn Jahre alt, Heinz Simon sieben. Sie mussten ihr Zuhause und ihre gewohnte Umgebung zurücklassen. Im Elsass lebten die Familienmitglieder zunächst teilweise bei verschiedenen Verwandten. Später zog die Familie innerhalb Frankreichs weiter.

Historische Zeitungsanzeige vom 14. Juli 1933 mit der Überschrift „Freiwillige Versteigerung“. Angekündigt wird die öffentliche Versteigerung mehrerer Grundstücke und Gebäude in Horb, darunter ein Wohnhaus an der Neckargasse beim Mühlkanal. Die Versteigerung sollte am 20. Juli 1933 im Rathaus stattfinden.
Zeitungsanzeige zur öffentlichen Grundstücksversteigerung in Horb am 20. Juli 1933, veröffentlicht am 14. Juli 1933.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Viktor Wälder von den französischen Behörden als deutscher Staatsangehöriger interniert. Fanny zog mit Ruth und Heinz Simon zunächst nach Orléans und später nach Périgueux. Nachdem Viktor wieder zu ihnen zurückkehren konnte, blieb die Familie weiter in Gefahr. Sie wechselte erneut ihre Aufenthaltsorte und musste sich vor der Verfolgung verstecken. Ruth und Heinz Simon verbrachten so einen großen Teil ihrer Jugend auf der Flucht, ohne verlässliche Sicherheit oder einen festen Wohnort.

Schließlich versuchte die Familie, in die Schweiz zu gelangen. Die Schweizer Behörden verweigerten ihr jedoch die Aufnahme und schickten sie nach Frankreich zurück. Dort wurden Viktor, Fanny, Ruth und Heinz Simon festgenommen und in das Sammellager Drancy bei Paris gebracht. Im Februar 1943 wurden sie nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ruth war 20 Jahre alt, Heinz Simon 17.

Das Klassenfoto von 1929 hält einen Moment aus Ruths Kindheit in Horb fest. Von hier aus lässt sich die Geschichte der Geschwister erzählen: von einem Zuhause und einem Schulalltag, die sie verlassen mussten, von den Jahren der Flucht und von ihrem gewaltsamen Tod. Vor dem früheren Wohnhaus in der Neckarstraße 45 erinnern heute Stolpersteine an Ruth, Heinz Simon, Fanny und Viktor Wälder.

Quellenverzeichnis

Stadtarchiv Horb (Infos zu Auswanderung, Lebensdaten, Hilde Wälders Wohnorte)

Datenbank: Horber Juden Stadtarchiv Horb

Meldekartei der Stadt Horb

Schattenrisse, Die jüdische Gemeinde in Horb http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/directory.html(Downloaddatum 24.2.2010)