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Hirschgasse 10

Rassenschande - Maria Leins

Introduction (station)
Die Station thematisiert die Verfolgung deutscher Frauen und polnischer Zwangsarbeiter wegen sogenannter „Rassenschande“.
Anhand der Schicksale von Klara Kölbel (Station 07) und Maria Leins wird die nationalsozialistische Ausgrenzungs- und Verfolgungspolitik in Horb sichtbar.
Location

Hirschgasse 10
72160 Horb (Kernstadt)
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Duration (stay)
approx. 5 Minutes
Timeframe
1941–1944
Reason
Verfolgung deutscher Frauen und polnischer Zwangsarbeiter wegen verbotener Beziehungen

Historischer Hintergrund

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden zahlreiche Menschen aus den von Deutschland besetzten Gebieten als Zwangsarbeitende ins Deutsche Reich verschleppt. Auch in Horb arbeiteten zum Beispiel polnische Zwangsarbeiter in landwirtschaftlichen Betrieben, Handwerksbetrieben und Industriewerken.(1)

Grundlage ihres Alltags waren die sogenannten Polenerlasse vom März 1940. Diese schränkten die Bewegungsfreiheit der polnischen Zwangsarbeiter stark ein, verboten den Besuch öffentlicher Einrichtungen und untersagten nahezu jeden persönlichen Kontakt zur deutschen Bevölkerung. Besonders streng verfolgt wurden Liebesbeziehungen zwischen deutschen Frauen und polnischen Zwangsarbeitern, die von den Nationalsozialisten als „Rassenschande“ bezeichnet wurden. Verstöße wurden von der Gestapo verfolgt und hart bestraft.(2)

Die Schicksale von Klara Kölbel und Maria Leins zeigen exemplarisch, wie die nationalsozialistische Rassenideologie in das Privatleben der Menschen eingriff und persönliche Beziehungen kriminalisierte. Während deutsche Frauen öffentlich gedemütigt, verhaftet oder in Konzentrationslager eingewiesen wurden, drohten polnischen Zwangsarbeitern Gefängnis, Konzentrationslager oder sogar die Todesstrafe.(3)

Geschichte und Zusammenhänge

Maria Leins – Verfolgung bis ins Konzentrationslager

Historische Schwarz-Weiß-Porträtaufnahme einer jungen Frau mit dunklem, nach hinten frisiertem Haar und Ohrring. Sie trägt dunkle Kleidung und blickt mit einem leichten Lächeln über die Schulter in die Kamera.
Porträt von Mara Leins

Ein weiteres exemplarisches Schicksal ist Maria Leins. Maria Leins, genannt Maja, wurde 1922 in Horb geboren. Sie wohnte mit ihren Eltern in der Hirschgasse 10 im Gasthaus „Zur Blume“ und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter auf dem Kegelhof. 1940 bekam sie einen Sohn namens Horst. Während des Krieges arbeitete Maria als dienstverpflichtete Arbeiterin bei den Mauser-Werken in Oberndorf.

Die junge Frau wurde 1943 denunziert, nachdem Nachbarn sie zusammen mit einem polnischen Zwangsarbeiter beobachtet hatten.(4) Sie wurde zunächst im Oberamtsgefängnis inhaftiert und anschließend in das Arbeitserziehungslager Rudersberg gebracht. Im Juni 1944 erfolgte ihre Einweisung in das Konzentrationslager Ravensbrück, wo sie am 27. Januar 1945 verstarb.

Ihr mutmaßlicher Partner Jan Pociecha wurde ebenfalls verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, überlebte jedoch die Haft(5)

Am Horber Marktplatz erzählt der Rundgang zuvor von Klara Kölbel, die 1941 öffentlich gedemütigt wurde. Marias Geschichte macht sichtbar, dass die Verfolgung auch hinter Gefängnis- und Lagermauern weiterging. Beide Frauen wurden wegen persönlicher Beziehungen verfolgt. Ihre Geschichten gehören zusammen, ohne dass die unterschiedlichen Ereignisse und Folgen ineinander aufgehen.

Erinnerung und historische Bedeutung

Die Schicksale von Klara Kölbel und Maria Leins verdeutlichen die Folgen der nationalsozialistischen Rassenideologie für den Alltag in Horb. Die Verfolgung richtete sich nicht nur gegen Zwangsarbeiter, sondern ebenso gegen deutsche Frauen, die persönliche Beziehungen zu ihnen führten.

Öffentliche Demütigungen, Verhaftungen und Deportationen dienten der Einschüchterung der Bevölkerung und der Durchsetzung der nationalsozialistischen Herrschaft. Die Station erinnert an diese Opfer und macht sichtbar, wie tief die NS-Diktatur in das private Leben der Menschen eingriff. 

Historische Schwarz-Weiß-Fotografie einer winterlichen Szene. Drei Frauen in dunklen Mänteln und Hüten stehen lächelnd im Schnee vor einem Fachwerkhaus. Vor ihnen steht ein kleines Kind mit Mütze und Winterkleidung. Im Hintergrund sind schneebedeckte Bäume zu sehen.
Vor dem Kegelhof in Horb, von links: Maria Leins geb. Straub, die Mutter von Maria (Maja) Leins; Maria

Maria Leins wurde nach einer Denunziation inhaftiert und starb im KZ Ravensbrück. Die nächste Station erzählt von Rosalie Dampf, die viele Jahre in Horb gelebt hatte, die Stadt verlassen musste und später deportiert wurde.

Quellenverzeichnis

(1) Vgl. Braunhuber, Martin / Haizmann, Konrad / Katz, Kevin / Stängle, Gabriel: „Hier gilt der deutsche Gruß.“ Die Kreisleitung der NSDAP in Hochdorf und im Kreis Horb. Neulingen: J. S. Klotz Verlagshaus 2024, S. 250.

(2) Vgl. Braunhuber (2024), S.250 f.

(3) Vgl. Braunhuber (2024), S.253.

(4)Vgl. Braunhuber et al. (2024), S.252.

(5) Vgl. Braunhuber et al. (2024), S.252.

Braunhuber, Martin / Haizmann, Konrad / Katz, Kevin / Stängle, Gabriel (2024): „Hier gilt der deutsche Gruß.“ Die Kreisleitung der NSDAP in Hochdorf und im Kreis Horb. Neulingen: J. S. Klotz Verlagshaus.