Gedanken zur Ausstellung: Für Freiheit und Republik: Der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Kampf für die Demokratie 1924 bis 1933
Eröffnungsvortrag unter dem Titel "Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold - Für Einigkeit und Recht und Freiheit gestern, heute, morgen."
Wenn wir heute über den Zustand der Demokratie in Deutschland sprechen, fällt ein historischer Vergleich fast zwangsläufig: Berlin ist nicht Weimar, aber der Blick zurück lässt uns viele Fragen stellen. Wie konnte es geschehen, dass am 30. Januar 1933 die Macht an Adolf Hitler und die NSDAP übergeben wurde? Welche Kräfte stellten sich dem entgegen – und was können wir daraus für die Gegenwart lernen?
Antworten darauf bietet die neue Ausstellung im Museum Jüdischer Betsaal Horb, die der Rexinger Synagogenverein von der Berliner Gedenkstätte Deutscher Widerstand nach Horb geholt hat. Unter dem Titel „Für Freiheit und Republik: Der Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Kampf für die Demokratie 1924 bis 1933“ wird ab dem 9. Mai ein eindrucksvolles Kapitel deutscher Geschichte beleuchtet. Die Ausstellung zeigt eindrücklich, dass es bereits in der Weimarer Republik engagierte Kräfte gab, die sich aktiv für den Erhalt der Demokratie einsetzten. Zugleich wird deutlich, wie aktuell die damalige Forderung bleibt, demokratische Werte nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sie entschlossen zu verteidigen.
Einen vertiefenden Einblick in dieses Thema gibt der Historiker Carsten Kohlmann M.A. aus Oberndorf am Neckar, der zur Ausstellungseröffnung seine Forschungsergebnisse in einem Vortrag am 3. Mai um 17 Uhr in der Ehemaligen Synagoge in Rexingen vorstellen wird. Seine Ausführungen führen direkt in die historischen Hintergründe und Zusammenhänge ein:
„Berlin ist nicht Weimar, wird immer wieder betont, wenn über das Pro und Contra der Frage von Parallelen zwischen der politischen Lage in Deutschland vor 100 Jahren und heute diskutiert wird. Noch ist Berlin nicht Weimar, aber offenkundig ist mittlerweile doch, dass die Demokratie nicht ungefährdet ist und heute wie damals verteidigt werden muss.
Dabei findet schon seit einiger Zeit ein politischer Kampfverband der Weimarer Republik neues Interesse, der am 22. Februar 1924 unter dem Namen „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ gegründet wurde, um die junge Demokratie gegen ihre Gegner von links und rechts zu verteidigen. Der „Bund republikanischer Kriegsteilnehmer“ entstand aus den staatstragenden Parteien der „Weimarer Koalition“, der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und dem Zentrum. In ihrer großen Mehrheit kamen die über drei Millionen Mitglieder aus der SPD. Mit großem Engagement trat der Kampfverband auch dem Antisemitismus entgegen und wurde deshalb von seinen rechten Gegnern als „Judenschutztruppe“ angegriffen.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ verboten. Viele seiner Mitglieder kämpften gegen die Gewaltherrschaft, wurden in Gefängnisse und Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Nach ersten Ansätzen in der frühen Nachkriegszeit wurde das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ im Jahr 1968 unter dem neuen Beinamen „Bund aktiver Demokraten“ wiederbelebt. Mittlerweile gehören der Nachfolgeorganisation über 1000 Mitglieder an, die sich sowohl für die Pflege der historischen Tradition wie auch für die heutige Demokratie einsetzen. Ein wichtiges Thema ist dabei heute wie damals ein positives Bekenntnis zu den Nationalsymbolen, um sie vor dem Missbrauch durch radikale Kräfte zu schützen. Am 25. Januar 2025 wurde in der „Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte“ in Heidelberg auch ein neuer Landesverband Baden-Württemberg gegründet.“
Der Referent Carsten Kohlmann hat sich bereits als junger Historiker in den 1990er-Jahren dafür engagiert, das lange vergessene Thema neu zu entdecken und veröffentlichte Beiträge über den Gau Württemberg und den Ortsverein Schramberg. Er lernte dabei die noch letzten lebenden Mitglieder kennen und sammelte außerdem Bilder, Dokumente und Erinnerungsstücke. Daraus entstand eine in der Region einzigartige Sammlung, die in der Ausstellung zum ersten Mal zu sehen sein wird.
Die Ausstellung ist vom 9. Mai bis Oktober im Museum Jüdischer Betsaal in Horb zu sehen, jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Sie lädt alle Interessierten dazu ein, sich mit der Geschichte der Weimarer Republik auseinanderzusetzen – und darüber nachzudenken, was eine wehrhafte Demokratie heute bedeutet.