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Oberamtsgefängnis Horb

Verfolgung in Horb 2- Das Oberamtsgefängnis

Introduction (station)
Die Station zeigt, wie die Gestapo und andere nationalsozialistische Behörden politische Gegner sowie jüdische Bürgerinnen und Bürger in Horb überwachten, einschüchterten und verfolgten. Diese Station ist Teil 2 des Themas Verfolgung und behandelt das Oberamtsgefängnis als Ort der Inhaftierung während der NS-Zeit. Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, konnten hier zunächst festgehalten werden, bevor über ihren weiteren Weg entschieden wurde. Sie knüpft an Station 05 über Überwachung, Verhaftung und „Schutzhaft“ an.
Location



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Duration (stay)
approx. 5 Minutes
Timeframe
1905-1942
Reason
Verfolgung in Horb

Historischer Hintergrund

 Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 begann auch im Kreis Horb die Gleichschaltung von Verwaltung, Politik und Gesellschaft. Bereits wenige Wochen später wurden kommunale Verwaltungen umstrukturiert, politische Gegner verfolgt und zahlreiche öffentliche Einrichtungen unter die Kontrolle der NSDAP gestellt.(1)

Eine zentrale Rolle spielte dabei die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Sie überwachte die Bevölkerung, verfolgte politische Gegner, führte Verhöre durch und arbeitete eng mit Polizei, Justiz und NSDAP zusammen. 

Auch im Kreis Horb wurden Menschen aufgrund ihrer politischen Überzeugung, ihrer Religion oder ihres persönlichen Verhaltens verfolgt. Neben Kommunisten und Sozialdemokraten gerieten katholische Geistliche, jüdische Bürgerinnen und Bürger sowie Personen, die den Nationalsozialisten kritisch gegenüberstanden, in das Visier der Behörden.(2)

Viele Verhaftete wurden zunächst im Horber Oberamtsgefängnis festgehalten und anschließend in Konzentrationslager wie Heuberg oder Dachau deportiert.(3)

Geschichte und Zusammenhänge

In der vorherigen Station ging es darum, wie die nationalsozialistische Verfolgung im Kreis Horb organisiert wurde. Für die Betroffenen konnte auf eine Verhaftung die Einlieferung in das Oberamtsgefängnis folgen. Das Gebäude in der Wintergasse macht diesen Teil der Verfolgung am konkreten Ort sichtbar.

Die Gestapo und politische Verfolgung in Horb

Auch im Kreis Horb erfolgten bereits im Frühjahr 1933 die ersten Verhaftungen politischer Gegner. Personen wurden ohne Gerichtsverfahren in sogenannte Schutzhaft genommen und teilweise in das Konzentrationslager Heuberg eingeliefert.(4) Die politische Verfolgung beschränkte sich jedoch nicht auf Mitglieder von Parteien oder politischen Organisationen. Auch Geistliche, jüdische Bürgerinnen und Bürger sowie Menschen, die den Nationalsozialisten kritisch gegenüberstanden, gerieten zunehmend in das Visier der Behörden. 

 Ein wichtiges Mittel der Gestapo war die Überwachung der Bevölkerung. Hinweise aus der Bevölkerung, Denunziationen sowie die Zusammenarbeit mit Polizei, Gendarmerie und kommunalen Behörden ermöglichten eine umfassende Kontrolle des öffentlichen und privaten Lebens.(5) Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs weitete sich die politische Verfolgung weiter aus. Nun gerieten auch Zwangsarbeiter, Menschen mit ausländischen Kontakten sowie Personen, denen Verstöße gegen nationalsozialistische Vorschriften vorgeworfen wurden, verstärkt in den Fokus der Gestapo.(6)

Opfer der Gestapo in Horb

Bereits 1933 wurde der Rexinger Bürgermeister Hermann Kinkele aus seinem Amt entfernt, da ihn die Nationalsozialisten als „Judenfreund“ betrachteten. Seine Absetzung zeigt, dass bereits persönliche Kontakte zu jüdischen Mitbürgern ausreichten, um politisch verfolgt zu werden. (7)

Der jüdische Geschäftsmann Manfred Weil wurde ebenfalls 1933 in Schutzhaft genommen und anschließend in das Konzentrationslager Heuberg gebracht. Sein Fall gehört zu den frühesten Beispielen politischer Verfolgung im Kreis Horb.(8) Mit der zunehmenden Radikalisierung des Regimes richtete sich die Verfolgung verstärkt gegen die jüdische Bevölkerung.

 Während des Zweiten Weltkriegs weitete die Gestapo ihre Ermittlungen auf deutsche Frauen und ausländische Zwangsarbeiter aus. Die Schicksale von Klara Kölbel, Maria Leins und Jan Pociecha zeigen, wie die Gestapo auch persönliche Beziehungen überwachte und mit Verhaftungen, Haft und Deportationen ahndete.(9)

Diese Beispiele verdeutlichen, dass die politische Verfolgung im Kreis Horb nicht nur einzelne Personengruppen betraf, sondern sich gegen alle richtete, die aus Sicht des nationalsozialistischen Regimes als politisch, rassisch oder gesellschaftlich unerwünscht galten. 

Die Haft war ein Mittel, um einzelne Menschen aus ihrem Alltag zu reißen und zugleich andere einzuschüchtern. Sie traf nicht allein politische Gegner. Im Lauf der NS-Zeit richteten sich Überwachung und Verhaftungen auch gegen jüdische Menschen, Zwangsarbeiter und Personen, denen ein Verstoß gegen nationalsozialistische Vorschriften vorgeworfen wurde.

Die Geschichte des Oberamtsgefängnisses ergänzt damit die vorherige Station: Dort steht das Vorgehen der Behörden im Mittelpunkt, hier die Inhaftierung der Menschen, gegen die es sich richtete.

Eine Verhaftung konnte Menschen hinter Gefängnismauern verschwinden lassen. Klara Kölbel wurde darüber hinaus auf dem Marktplatz öffentlich gedemütigt. Ihre Geschichte zeigt, wie das NS-Regime Verfolgung vor aller Augen inszenierte.

Quellenverzeichnis

(1) Vgl. Braunhuber, Martin / Haizmann, Konrad / Katz, Kevin / Stängle, Gabriel: „Hier gilt der deutsche Gruß.“ Die Kreisleitung der NSDAP in Hochdorf und im Kreis Horb. Neulingen: J. S. Klotz Verlagshaus 2024, S. 111 f.

(2) Vgl. Braunhuber (2024): S.112 ff.

(3) Vgl. Braunhuber (2024): S.112; S.115.

(4) Vgl. Braunhuber (2024): S.112; S.115.

(5) Vgl. Braunhuber (2024): S.112-121.

(6) Vgl. Braunhuber (2024): S.240-274.

(7) Vgl. Braunhuber (2024): S.113 ff.

(8) Vgl. Braunhuber (2024): S.113 f.

(9) Vgl. Braunhuber (2024): S.250-253.

Braunhuber, Martin / Haizmann, Konrad / Katz, Kevin / Stängle, Gabriel (2024): „Hier gilt der deutsche Gruß.“ Die Kreisleitung der NSDAP in Hochdorf und im Kreis Horb. Neulingen: J. S. Klotz Verlagshaus.