20. August 2018 in Veranstaltungen

Als Blinder in Theresienstadt. Vortrag mit Prof. Wolfgang Benz

Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin
Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin
Art: Vortrag
Datum: Sonntag, 2. Sept. 2018
Zeit: 18.00 Uhr
Ort: Gemeindesaal im Rathaus Dettensee

Am Europäischen Tag der Jüdischen Kultur berichtet Prof. Wolfgang Benz über seine Forschungen zum Schriftsteller und Privatgelehrten Norbert Stern (1881–1964), der als Blinder das KZ Theresienstadt überlebt hat.

Nathan Stern, 1881 in Dettensee geboren, trat als Norbert zum christlichen Glauben über und sah sich selbst nicht mehr als Jude. Nach einer Karriere als Techniker widmete er sich der Philosophie. Er promovierte und erweiterte sein Interessenfeld im Bereich Mode und Kultur, arbeitete als Journalist. Im Ersten Weltkrieg erlitt er als Soldat eine Augenverletzung, die später zur Erblindung führte. Als Schriftsteller und Privatgelehrter veröffentlichte er 1922 sein erstes Werk. Doch im Sinne der NS-Ideologie galt Stern ab 1933 als Jude und konnte seinen Beruf nicht weiter ausüben.

Am 21. Juni 1942 wurde er von München ins KZ Theresienstadt deportiert. Stern fand im Lager Hilfe von einer Frau, die seine in normaler Schrift verfassten Texte abschrieb. Heute ist das Tagebuch von Norbert Stern ist eine einzigartige Quelle zur deutsch-jüdischen Geschichte. Seine Aufzeichnungen aus Theresienstadt geben ein Bild der inneren Widersprüche der jüdischen Zwangsgemeinschaft des Ghettos, das seinesgleichen nicht kennt. Um die Gegensätze zwischen böhmischen und deutschen Juden auszugleichen, lernte der über 60-Jährige im Ghetto Tschechisch. Stern überlebte und kehrte im Juni 1945 nach München zurück, wo er im jüdischen Altersheim in der Kaulbachstraße lebte.

Prof. Dr. Wolfgang Benz ist als deutscher Historiker der Zeitgeschichte führend in der Antisemitismusforschung und der NS-Forschung. Er lehrte von 1990 bis 2011 an der Technischen Universität Berlin und leitete das zugehörige Zentrum für Antisemitismusforschung, dessen Jahrbuch er bis 2011 herausgab.

 

 

Gäste: Prof. Dr. Wolfgang Benz, Berlin
Eintritt: 5,– Euro
Adresse: Neuneckstraße
Weitere Informationen: Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 17. Juni um 16.00 Uhr.